Thomas, einer unter vielen?

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Ich trage einen biblischen Namen

Ich heiße Thomas. Manchmal habe ich den Eindruck, dass das eher ein Sammelbegriff als ein Vorname ist, denn ich treffe ständig auf Männer in meinem Alter, die auch Thomas heißen. Das ist kein Wunder, wenn man weiß, dass Thomas in den 1960er Jahren fast jedes Jahr der beliebteste Jungenname in Deutschland war. Allein in meinen Geburtsjahr 1966 erhielten ca. 30.000 Jungen den Namen Thomas.

Trotzdem mag ich ihn. Das war schon immer so und ich hatte noch nie ein Problem damit, dass viele andere den gleichen Namen tragen. Die Masse an Menschen, die so heißen wie ich, stört mich nicht, denn ich kann immer wieder entdecken, dass ich nicht in der Masse untergehen muss.

Das sehe ich auch an dem Jünger von Jesus, der meinen Namen trägt. Besser gesagt: Ich trage seinen Namen. Er geht nicht in der Masse der Jünger unter. Von ihm werden ganz besondere Situationen erzählt.

Thomas ist der Zweifler. Diese Eigenschaft fällt vielen zuerst ein, denn er war als Einziger aus dem Jüngerkreis nicht dabei, als sich der Auferstandene Jesus seinen Jüngern zeigte. Die euphorischen Berichte seiner Kameraden zweifelt er an. Manchmal wird Thomas dadurch sehr negativ dargestellt. Aber warum? Zweifel ist ein Zustand der Ungewissheit und Unentschiedenheit, den ich auch bei mir entdecke. Ich weiß oft nicht, wie ich mich entscheiden soll. Ich brauche Zeit um eine Situation abzuwägen und zu überlegen, was ich tun und was ich lassen soll. Zweifel können helfen, Entscheidungen zu treffen und Wege nach vorn zu gehen.

Das Geniale am Jünger Thomas ist, dass er nicht bei dieser Unentschiedenheit stehen geblieben ist. Nachdem er Jesus getroffen hat, und dieser ihm die Möglichkeit gab, seine Wunden zu berühren, war er überzeugt und mit ganzem Herzen bei der Sache. Er bekennt sich eindeutig zu Jesus. Ich zweifle übrigens daran, dass Thomas die Wunden von Jesus wirklich berührt hat, denn das steht gar nicht in der Bibel. Es hat ihm gereicht, Jesus zu begegnen und die Möglichkeit zu haben, ihn zu berühren.

Thomas war noch mehr als ein Zweifler: Er trat leidenschaftlich für Jesus ein, als dieser gerade glücklich einer Steinigung in Judäa entkommen war. Er war in Sicherheit und machte trotzdem den selbstmörderischen Vorschlag: „Wir gehen wieder nach Judäa.“ Unfassbar für die Jünger, denn das hätte vielleicht den Tod zur Folge gehabt. In dieser Situation war Thomas der Einzige der nicht abrät, sondern voller Leidenschaft sagte: „Lasst uns mitziehen und mit ihm sterben“ (Johannes 11,16).

Es gibt noch mehr Situationen und Eigenschaften von Thomas zu berichten die deutlich machen, dass er sich nicht in der Masse der Jünger versteckt, sondern seinen eigenen Weg geht, sich Gedanken macht und seine Meinung sagt. Solch ein Thomas will ich auch sein, einer von vielen, nicht außergewöhnlich, aber einer, der zweifelt, leidenschaftlich mit Jesus unterwegs ist und mit seiner Persönlichkeit nicht in der Masse untergeht.

Thomas Kretzschmar lebt in der Nähe von Kassel und arbeitet als Referent für Kinder- und Jungschararbeit beim Deutschen EC-Verband.

Die Herkunft des Namens

Der Name Thomas kommt vom hebräischen Wort teoma, was Zwilling bedeutet. Thomas war einer der zwölf Jünger Jesu. Der Überlieferung nach soll er als Apostel das Evangelium im heutigen Irak und Iran verkündet und die Kirche in Indien gegründet haben.

Bekannte Namensträger

Thomas Alva Edison (1847-1931) war ein Erfinder, unter anderem die Glühlampe, das Kohlemikrofon und die erste Filmkamera stammten von ihm. Thomas Mann war ein bedeutender Schriftsteller (1875-1955). Thomas Kretschmann und Thomas Rühmann sind deutsche Schauspieler. Außerdem war von 1801-1809 Thomas Jefferson der dritte amerikanische Präsident, der auch einer der Gründerväter der USA war.