Die hauptamtliche Beterin

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Cornelia Amstutz, Landeskoordinatorin der Gebetsbewegung „Moms in Prayer“ in der Schweiz, entdeckte als Mutter von drei Kindern ihre Mission: beten. Heute steht sie haupt- und d

ennoch ehrenamtlich im Gebetsdienst und staunt darüber, dass ihr Wunsch, Gott vollzeitlich zu dienen, sich ganz anders erfüllt hat, als sie es sich ursprünglich vorgestellt hatte. Christa Thomke sprach mit ihr.

In einem kleinen Restaurant mit Kellergewölbe in Bern sitze ich einer Frau gegenüber, die mir mit viel Begeisterung und Leidenschaft von ihrer Arbeit erzählt. Der spontan gewählte Raum fürs Interview erinnert mich an die Aufforderung Jesu: Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und wenn du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! (Matthäus 6,6).
Der Ort ist ruhig, obwohl das rege Treiben in der unterirdischen Bahnhofshalle durch die große Glasfront gut zu beobachten ist. Die Natursteinmauern bieten Nischen und Sichtschutz, so dass man sich trotzdem nicht ausgestellt fühlt. Das Licht ist etwas abgedunkelt, aber in seiner Ausstrahlung warm und weckt ein Gefühl der Geborgenheit. Konzentriert können wir unser Gespräch führen. Etwa so stelle ich es mir vor, wenn eine hauptamtliche Beterin ihre Zwiesprache mit Gott hält: nahe am Geschehen und doch unter dem Schutz eines verborgenen Raums …

© Samira Meier

Wie alles begann

Cornelia Amstutz ist Teil der weltweiten, überkonfessionellen Gebetsbewegung „Moms in Prayer“ (abgekürzt: MIP). Vor 21 Jahren, als ihre drei Kinder Schule und Kindergarten besuchten, schloss sie sich einer Gruppe betender Mütter an. Bald stellte sich für sie heraus, dass ihr diese erste Gebetsgruppe „etwas zu unverbindlich“ war, wie sie sich vorsichtig ausdrückt. Die Entscheidung fiel, sich mit dieser Gruppe der Bewegung „Moms in Prayer“ (Mütter im Gebet) anzuschließen, die 1993 ihre Arbeit in der Schweiz startete.
Sie und ihre Mitbeterinnen bestellten das dazu nötige Material. „Die MIP-Gebete sind in vier Schritte gegliedert“, erklärt Cornelia Amstutz. „Im ersten Teil beten wir Gott an, im zweiten Teil bekennen wir vor ihm unsere Sünden, im dritten Teil danken wir ihm für seine Gaben und im vierten Teil bitten wir ihn für unsere Kinder, ihre Mitschüler, ihre Lehrer und ihre Schule.“ Diese Fürbitte ist auch das Hauptanliegen von „Moms in Prayer“ und nimmt entsprechend die meiste Zeit der einstündigen Gebetseinheit in Anspruch.
Zusammen mit dem betenden Engagement an der Schule ihrer Kinder begann Cornelia Amstutz‘ Leidenschaft für das Anliegen von „Moms in Prayer“ zu wachsen. Jahre zuvor hatte sie von sich behauptet, „ich bin keine Beterin“. Doch von diesem Zeitpunkt an ließ sie sich voll und ganz auf das Abenteuer ein und fing Feuer für das Gebet. Bereits nach einem Jahr erhielt sie die Anfrage, ob sie als Kontaktperson für die Gruppenleiterinnen der Gebetsgruppen ihrer Umgebung wirken möchte. Sie sagte zu und wuchs danach Stufe um Stufe in Führungsaufgaben hinein, bis sie im Jahr 2009 als Landeskoordinatorin des Vereins „Moms in Prayer Schweiz“ eingesetzt wurde.

Eine große Vision

Heute begleitet die 52-Jährige die Bewegung nicht nur im Gebet. Sie leitet diese mit spürbarer Überzeugung für die Sache und viel Vertrauen auf Gottes Wirken Schritt für Schritt der MIP-Vision entgegen: „dass jede Schule in der Schweiz, in Europa und auf der ganzen Welt eine Gebetsgruppe hinter sich hat.“
Von diesem Ziel ist die MIP-Bewegung allerdings noch weit entfernt. Aktuell gibt es in der Schweiz ca. 10.000 Schulen und etwa 1.500 MIP-Gebetsgruppen mit rund 5.000 Beterinnen. „Ab und zu spüre ich den Widerspruch zwischen meinem Herzenswunsch und der Tatsache, dass die Anzahl der Gruppen stagniert und dass   noch nicht in dem Maß sichtbar ist, wie ich es mir wünschte“, gesteht Cornelia Amstutz. Aber entmutigt wirkt sie dabei nicht. „Gott hat uns verheißen, dass der Durchbruch geschehen wird.“
Voller Hoffnung ist sie weiterhin bereit, ihre Arbeit am Reich Gottes zu tun, und hat sich mit den Worten „keine Ahnung, wie lange noch“ auch keine zeitlichen Fristen gesteckt. Sie nimmt sich jeden Tag ausgiebig Zeit, „all die Anliegen rund um meine Arbeit vor Gott zu bewegen“. In der Stille hört sie auf Gott, bevor sie sich ans Tagesgeschäft macht. E-Mails schreiben, Sitzungen vorbereiten, Rundbriefe verfassen, Inputs gestalten und Mitarbeiterinnen betreuen: All diese Tätigkeiten gehören in den Arbeitsalltag von Cornelia Amstutz – ebenso wie die nationalen und internationalen Reisen zu Mitarbeiterinnentreffen, Informationsveranstaltungen, Jubiläumsfeiern und Kongressen.

Es gibt viel zu tun

„Meine Arbeit als MIP-Landeskoordinatorin ist eine Vollzeitaufgabe“, erklärt Cornelia Amstutz. Damit hat sich ihr tiefer Wunsch, Gott vollzeitlich zu dienen, erfüllt. Jedoch ganz anders, als sie es sich als junge Frau vorstellte. Als gelernte Kauffrau malte sie sich vor ihrem inneren Auge aus, vielleicht in einem Gemeindesekretariat zu arbeiten – und überlegte sich, wie sie einen vollzeitlichen Dienst wohl mit ihrem Kinderwunsch vereinbaren könnte. Denn zum Muttersein fühlte sie sich ebenfalls berufen. Beides schien auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen. Doch Gott hielt für Cornelia Amstutz eine Aufgabe bereit, in der sie ihre beiden größten Wünsche miteinander verknüpfen konnte. Außerdem musste auf diese Weise ihre Berufung zum Muttersein nicht durch eine neue Lebensaufgabe abgelöst werden, als ihre Kinder vor einem Jahr aus dem Elternhaus auszogen.
Eine der großen Herausforderungen in ihrem umfangreichen Arbeitspensum ist die Frage: Wie werden junge Mütter zu Beterinnen, die motiviert und verbindlich bei „Moms in Prayer“ mitwirken? Mütter sind heute häufiger berufstätig als vor 20 Jahren und begleiten ihre Kinder zu immer mehr Freizeit- und Förderangeboten – da bleibt wenig Zeit für eine verbindliche Gebetsgruppe. Cornelia Amstutz stellt fest, dass viele MIP-Gruppen ohne Nachfolgerinnen bleiben, wenn die Mütter der erwachsen gewordenen Kinder ihren Gebetsdienst niederlegen. Es bleibt aber unumstößlich ihr Herzenswunsch, „dass jede Mutter in unserem Land die Kraft des gemeinsamen Gebets kennenlernt und erlebt, was für ein Segen es ist, mit anderen Müttern zu beten.“
Sie ist überzeugt: „Jede gläubige Mutter sollte wissen, dass es MIP gibt.“ Die Bewegung geht verschiedene Wege, die Mütter zu erreichen. Neben Infoveranstaltungen und der bewährten Mund-zu-Mund-Werbung wird die Präsenz auf den verschiedenen Social-Media-Plattformen verstärkt, auf denen sich junge Menschen gerne aufhalten.

Eine große Familie

Aber auch ganz persönlich möchte Cornelia Amstutz vermehrt jungen Müttern auf Augenhöhe begegnen, Beziehungen zu ihnen aufbauen und ihnen eine geistliche Begleiterin sein. „Ich kann den Frauen aus meinem Leben und von meinen persönlichen Erfahrungen erzählen, in Bezug auf mein Muttersein und mein Glaubensleben, oder ich kann meine Hilfe ganz praktisch anbieten.“ Netzwerk- und Beziehungsarbeit auf allen Ebenen ist gefragt, sowohl institutionell als auch privat.
Als Beziehungsmensch erlebt Cornelia Amstutz die Gemeinschaft der MIP-Frauen, die ganz unterschiedlichen Gemeindeformen angehören, wie eine große Familie. „Es gibt nichts Schöneres, als mit Menschen unterwegs zu sein, die Jesus von ganzem Herzen lieben.“ So tankt Cornelia Amstutz bei der Arbeit ihre Kraftreserven immer wieder auf. Nur ab und zu fragt sie sich, ob es wohl auf Dauer ungesund sei, wenn sie sich so intensiv mit ihrer Arbeit identifiziert. Dann ruft sie sich bewusst in Erinnerung: „Es gibt noch ein Leben neben MIP“ und genießt ihre Freizeit mit Familie und Freunden. Gemeinschaft erlebt sie auch in ihrer freikirchlichen Gemeinde, der Bewegung Plus in Thun (Kanton Bern).
Gebete sind die zweite Kraftquelle ihres Lebens. Die vielen großen und kleinen Gebetserhörungen bei MIP, seien es nun eigene oder solche, von denen andere Mütter erzählen, motivieren sie dranzubleiben. „Gebet hat immer Auswirkungen“, davon ist sie überzeugt. Das Dankgebet führt ihr die bewirkten Veränderungen immer wieder vor Augen. Und die Erinnerung daran, was Gott schon alles Gutes getan hat, schenkt Mut, Gott vertrauensvoll die Fürbitten darzubringen. „Es begeistert mich immer wieder aufs Neue, dass wir unsere Herzen vor Gott ausschütten und ihm alle Anliegen rund um unsere Kinder bringen dürfen. Das ist ein Privileg!“, schreibt Cornelia Amstutz auf der Homepage von „Moms in Prayer“.

Die „Schule des Loslassens“

Aber nicht nur Gebetserhörungen haben Cornelia Amstutz geprägt, sondern auch das Beten selbst veränderte ihr Leben. Im eigenen Beten zu erleben, wie die Verwurzelung im Glauben gefestigt und die Beziehung zu Gott gestärkt wird, ist ihr ein großer Segen. Im Gebet verbringt sie Zeit mit Gott und erlebt seinen Schutz. In Anlehnung an Psalm 91 führt sie aus: „Zu wissen, dass ich und meine Familie unter dem Schutz Gottes stehen, ja, dass er seine Engel aussendet, um uns zu beschützen, gibt mir ein tiefes Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Es gibt immer wieder Dinge, die mir Angst und Sorgen bereiten. In solchen Momenten unter die schützenden Fittiche Gottes zu schlüpfen, macht mich ruhig und gelassen.“
Sie erlebt diesen Zufluchtsort als ein „gewaltiges Vorrecht“. In ihrer Jugendzeit musste sie den schmerzlichen Verlust eines geliebten Menschen erleben, durfte aber auch erfahren, wie Jesus im Ringen ums Loslassen-Können trägt und schenkt, an solchen Erfahrungen nicht zu zerbrechen. Das war eine prägende Glaubenserfahrung. Im Beten bietet sich ihr immer wieder Gelegenheit, sich in schwierigen Situationen an Jesus festzuhalten und von ihm behütet die „Schule des Loslassens“ zu besuchen.
Und noch eine dritte wichtige Erkenntnis aus ihrer Arbeit verrät mir Cornelia Amstutz. Die MIP-Gebete lehnen sich intensiv am Wort Gottes an. Biblische Verse begleiten jede MIP-Gebetsstunde und immer stehen die Gebete unter einem spezifischen Thema. „Dadurch habe ich das Wort Gottes besser kennengelernt“, fasst Cornelia Amstutz ihre jahrelange Erfahrung als MIP-Beterin zusammen und ergänzt in ihrer Funktion als Leiterin, „und das stundenlange Suchen nach biblischen Worten hat meine Bibelkenntnisse noch mehr vertieft“.
Voller Lebensfreude sagt Cornelia Amstutz: „Mein Engagement als Landeskoordinatorin ist ein ehrenamtliches, aber was Gott mir dadurch gibt, kann gar nicht mit Geld bezahlt werden. Das Gebet hat mein Leben revolutioniert.“

Die Autorin Christa Thomke ist Psychologin. Ihr Atelier „Belebt“ ist ein Begegnungsraum für lebensfördernde Begleitung, Beratung und Bildung.

 

Moms in Prayer (MIP)

MIP ist eine überkonfessionelle Gebetsbewegung von Müttern, Großmütter und anderen Frauen, die ein Herz für Kinder haben und überzeugt sind, dass Gott durch Gebete Menschen und Situationen verändert. In kleinen Gruppen (mindestens zwei Frauen) verbringen sie eine Stunde pro Woche im Gebet. Ihre Fürbitte gilt den Kindern, deren Lehrern und Schulen. Gleichzeitig unterstützen und ermutigen sie Mütter, die um ihre Kinder besonders besorgt sind.
Am 14. und 15. September 2018 kamen rund 1.600 Mütter aus der Schweiz und benachbarten Ländern nach Winterthur, um das 25-jährige Bestehen von Moms in Prayer Schweiz zu feiern.
Moms in Prayer International, Bordeaux-Strasse 5, 4053 Basel, www.momsinprayer.ch