Ungewöhnlich ehrlich

Anfang dieser Woche ist die neue LebensLauf-Ausgabe erschienen. Obwohl ich schon mehr als 21 Jahre im Bundes-Verlag arbeite, ist es für mich immer wieder ein Höhepunkt, wenn nach vielen Wochen, in denen wir geplant, Anfragen losgeschickt, einige Texte bearbeitet und andere selbst geschrieben, Bilder ausgesucht und Fehler ausgebessert haben, das Ergebnis all dieser Arbeit in Form eines frisch gedruckten Magazins in meinen Händen liegt.

Besonders beeindruckt hat mich in dieser Ausgabe der Beitrag von Manfred Bönig: Der FeG-Pastor im Ruhestand ist vor einem Jahr völlig erblindet. Das ist für ihn ein „grausames Schicksal. Ohne Augen gibt es nur noch ein Leben auf dem Abstellgleis: wertlos, nutzlos, aussichtslos.“ Und er fragt sich, warum Gott ihm das zumutet: „Warum, wozu und weshalb bin ich erblindet? Diese Fragen bleiben bis heute offen und unbeantwortet. Es gibt Tage, da findet man sich mit seinem Leid und Schicksal ab. Aber da sind auch immer wieder Stunden, wo man Gott wie einst Hiob fragt: Warum gibst Du mir keine Antwort? Warum schweigst Du?“

„Ganz schön mutig!“, dachte ich, als ich diese Zeilen zum ersten Mal las. Laut zu klagen, das trauen sich nur wenige. Weshalb eigentlich nicht? Weil andere Christen ihnen dann vorhalten, Gott nicht genug zu vertrauen? Weil sie es sich selbst nicht erlauben, aus ihrer „frommen Rolle“ zu fallen?

Die Dichter der Psalmen hatten jedenfalls mit dem Klagen kein Problem. Wie wir mehr Raum dafür in unseren Gemeinden schaffen, darum geht es – unter anderem – in der Mai/Juni-Ausgabe von LebensLauf

 

Ihre Agnes Wedell

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