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Auferstehungshoffnung: "Ich weiß, wer auf mich wartet"

Von Gerhard Hörster


Welche Bedeutung die Auferstehungshoffnung für unser (Glaubens-)Leben hat.

Als meine Frau und ich vor 15 Jahren darüber nachdachten, wo wir unseren Ruhestand verbringen wollten, haben wir uns entschieden, von Ewersbach in Hessen in die Nähe unserer Heimatstadt Wuppertal zu ziehen. Wir wollten den Ort verlassen, an dem ich als Dozent und Rektor und meine Frau als Hausfrau und als Leiterin des Speisesaals im Theologischen Seminar gewirkt hatten. Das sollte uns helfen loszulassen und einen neuen Lebensabschnitt in der Nähe unserer ältesten Tochter zu beginnen. Dabei kamen wir auf die Stadt Halver an der Grenze von Bergischem Land und Sauerland.

Nach längerer Suche fanden wir eine wunderschöne Wohnung am Rand der Stadt und doch nur zehn Minuten Fußweg vom Zentrum entfernt. Wir hatten einen unverbaubaren Blick auf das Tal und auf den Evangelischen Friedhof, der dahinter lag. Nach unserem Einzug würden wir unsere zukünftige Lebensperspektive immer vor Augen haben.

Das hat manchen anderen abgeschreckt. Die Wohnungsgesellschaft, die den Neubau errichtete, hatte Mühe, die neben uns gelegene Wohnung zu vermieten. Der Blick auf den Friedhof gefiel den Wohnungssuchenden nicht. Mit dieser Perspektive wollten sie nicht leben. Schließlich zogen unsere Tochter und ihr Mann mit ihrem Sohn dort ein. Sie hatten keine Angst davor, mit dem Blick auf den Friedhof zu leben. Wir genießen das Leben am Rand der Stadt mit ausgesprochen ruhigen Nachbarn.

Die Zukunft im Blick

Jeden Tag gehe ich mit unserem Hund spazieren: zum Friedhof und über den Friedhof. Ich kann über mich und meine Zukunft nachdenken. Nach menschlichem Ermessen werden wir Halver nicht mehr verlassen, bis unsere letzte Stunde gekommen ist. Dann werde ich auf diesem Friedhof begraben. Meine Frau und ich haben uns schon einmal Grabstellen angesehen und uns bei der Friedhofsverwaltung über die Kosten informiert. Wenn ich über den Friedhof gehe, schaue ich mir freie Grabstätten an. Wer wird unsere Grabstätten pflegen? Das werden unsere Tochter und ihr Mann nicht übernehmen können, weil sie in absehbarer Zeit Halver verlassen, um in Ostfriesland zu leben. Also müssen wir die Grabpflege bei der Friedhofsverwaltung in Auftrag geben.

Wie Sie merken, lebe ich sehr bewusst mit dem Ausblick auf den Friedhof. Dazu habe ich auch allen Grund. Ich hatte drei Brüder, die jünger waren als ich. Sie sind schon verstorben, zwei vor acht Jahren, einer im vergangenen Jahr. Der jüngste von ihnen wurde schwer krank und starb im Krankenhaus. Die beiden anderen sind ganz unerwartet verstorben, einer bei einer Radtour, der andere beim Dienst in der Auslandshilfe. Ganz plötzlich und ohne Vorwarnung. Herzversagen. Warum sollte es mir anders gehen? Ich muss damit rechnen, dass mein Leben auf dieser Erde plötzlich zu Ende ist. Und dann ist die Perspektive nur noch der Friedhof? Das kann doch nicht wahr sein!

Christus – mein Leben!

Ein Bibelwort, das der Apostel Paulus an die Philipper geschrieben hat, ist mir beim Nachdenken über mein Ende auf dieser Erde ganz wichtig geworden. Ich möchte, dass es auf meiner Todesanzeige steht und auch auf meinem Grabstein, wenn es einen solchen geben sollte. Immer wieder, wenn ich über den Friedhof gehe, kommt mir dieses Bibelwort in den Sinn: „Christus ist mein Leben.“ Es steht im Philipperbrief Kapitel 1, Vers 21.

Paulus hat ihn aus dem Gefängnis in Rom geschrieben. Dort war er inhaftiert, weil er Christus als den Messias Israels verkündigt und damit große Unruhe in Jerusalem angerichtet hatte. In den anschließenden Verhören hatte er sich auf den Kaiser berufen, weil er römischer Staatsbürger war. Es war nicht das erste Mal, dass er wegen Christus im Gefängnis saß. Aber das hinderte ihn nicht, weiterhin die Botschaft von Christus zu verkündigen.

Er war ein leidenschaftlicher Zeuge Jesu Christi. Für ihn hat er Gemeinden gegründet und sie in ihrer weiteren Entwicklung begleitet. Für ihn hat er Spott und Hohn auf sich genommen. Der von den Toten auferstandene Christus hat sein Leben geprägt. Für Christus hat er seine weiten Reisen mit Schiffen und zu Fuß durch den Mittelmeer-Raum unternommen. Er hat das Evangelium von Christus nach Europa gebracht. Bei seinen Reiseplänen ließ er sich von Christus leiten.

Nicht lebensmüde

Aber der Satz des Apostels Paulus hat noch eine andere Perspektive, wie die Fortsetzung im Philipperbrief zeigt: „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.“ Wie hat er das gemeint? Ist er froh darüber, dass dann die Zeit der Verfolgung und der Leiden vorbei ist, dass er keine neuen Reisepläne machen muss, dass er endlich Ruhe hat?

Nein! Paulus ist nicht lebensmüde und deswegen froh, wenn die Quälerei zu Ende ist. Er ist kein frustrierter Christ, der sagen will: „Es reicht!“ Nein, er hofft freizukommen und dann auch die Gemeinde in Philippi, die er als erste in Europa gegründet hat, noch einmal zu besuchen. Aber wichtiger als diese Erwartung ist sein Wunsch, dem Christus zu begegnen, der sein Leben völlig verändert hat. Paulus ist der festen Überzeugung, dass der Tod nur sein Leben auf dieser Erde beendet, aber nicht seine Existenz. Er wird durch den Tod Christus begegnen, ihn anbeten, mit ihm Gemeinschaft haben. In diesem Sinn ist Christus sein Leben und Sterben sein Gewinn.

Paulus hat zusammengefasst, was er sich wünscht: „Wenn ich am Leben bleibe, kann ich noch weiter für Christus wirken. Deshalb weiß ich nicht, was ich wählen soll. Es zieht mich nach beiden Seiten: Ich möchte am liebsten aus diesem Leben scheiden und bei Christus sein; das wäre bei weitem das Beste. Aber es ist wichtiger, dass ich noch hier ausharre, weil ihr mich braucht. Darauf baue ich und bin deshalb ganz sicher, dass ich euch allen erhalten bleibe. (Philipper 1, 22-24, Gute Nachricht Bibel). Mit meinen Worten gesagt: Weil der auferstandene Jesus Christus lebt, möchte Paulus am liebsten bei ihm sein. Aber wegen der Gemeinden, die seine Hilfe brauchen, will er auch gern weiterleben und Christus dienen.

Zeit für die Familie

Wenn Sie mich fragen, ob ich das auch so sagen könnte, muss ich, wenn ich ehrlich bin, doch zögern. Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen dem Apostel Paulus und mir. Selbstverständlich hat er eine ganz andere Position in der Geschichte der Gemeinde Jesu gehabt als ich. Aberdas meine ich hier nicht. Er war ledig, und ich bin verheiratet.

Gott hat meiner Frau und mir fünf Kinder anvertraut; dazu sind fünf Schwiegerkinder und zwölf Enkel gekommen. Sie haben oft auf mich verzichten müssen in den vergangenen fünfzig Jahren Dienst für Christus. Ich möchte diesen Dienst nicht beenden, aber mein Wunsch ist, Aufmerksamkeit und Zeit in das Leben meiner Großfamilie zu investieren. Ich möchte mit meinen Lieben gemeinsam Christus dienen und würde mich sehr freuen, wenn Gott mir dafür Zeit lässt.


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