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Lee O’Dell / 123rf.com

Drei Vierbeiner machen sich bei Beate Hill unbeliebt

Es war an einem kalten, stürmischen Wintermorgen, noch vor sieben Uhr. Meine bessere Hälfte ist ein Morgenmensch und immer früh aus den Federn, egal ob Sommer oder Winter. Er war also schon auf, aber ich?

Ich war noch mitten im Traumland mit meinen Enkelkindern – und ich selber war auch noch jung. Wir gerieten in Gefahr und gerade kam ein sehr sympathischer junger Mann zu unserer Rettung – da wurde ich unsanft aus meinem Traum gerissen. Und zwar durch einen lauten, anhaltenden und äußerst unmusikalischen Schrei. Mir standen die Haare zu Berge. Noch mehr als sonst morgens wenn ich meinen Kopf vom Kissen hebe.

Ohrenbetäubend

Direkt unter unserem Schlafzimmerfenster spielte sich bei Sturm und Dunkelheit eine überaus lautstarke Katzenjammerszene ab. Sie kennen so ein Katzenkonzert? Es gibt ein Katzenduett (Miau-Miau) von Rossini für zwei menschliche Sopranstimmen notiert. Ich habe es ein paar Mal gehört und es war ausgezeichnet, aber mit dem wirklichen Katzenkonzert kann es nicht konkurrieren.

Solche Klänge kann keine menschliche Stimme oder gar ein Instrument auch nur annähernd hervorbringen. Dazu braucht es schlicht und einfach zwei echte brünstige Katzen. So wie die beiden unter unserem Fenster. Sie verstanden die Kunst der atonalen Musik1 perfekt. Der Komponist Schönberg war ein Waisenkind dagegen. Das war nicht Zwölfton-, das war mehr als Dreizehntonmusik. Oder eben ohrenbetäubender Katzenjammer.

Romantisch? Nein, bestimmt nicht. Aber echt und brutal, sodass die Fetzen flogen. Und anhaltend. Zuerst war es ein Duett. Doch bald schaltete sich der einsame Rottweiler mit dem schönen Namen Whisky ein. Er bellte den basso ostinato2 dazu und das schaurige Trio mischte sich mit den sieben Schlägen unserer alten Standuhr. Hinzu kam der betörende Duft einer Tasse Kaffee, den mein Guter mir ans Bett brachte. Bin ich nicht zu beneiden?

Rachegedanken

Die unharmonische Serenade am frühen Morgen, gemischt mit dem Aroma des arabischen Kurbelsaftes, machte mich munter. Ich schaute hinaus. Die rot-weiße Katzendame schritt gerade mit noch etwas steifen Beinen langsam davon. Nicht wie eine Verliererin, eher majestätisch. Der schwarze Kater sah aus als hätte er einen – Kater, meine ich. Er wirkte leicht lädiert und schläft nun sicher erst mal irgendwo, wo es windgeschützt ist, und keine fauchende Katzendame in Sicht ist, seinen ärgsten Katerjammer aus. Sicher werden bald kleine Nachwuchsmusiker ihre Gesangsübungen durch die Morgendämmerung erklingen lassen. Wenn ich heute Nachmittag bei der Chorübung unseres Allegro Ensembles bin, will ich doch mal die Sängerin, die den Chor leitet, fragen, ob sie die Noten von der Katzenmusik hat. Wenn ich fleißig übe, dann kann ich mich vielleicht doch mal irgendwann revanchieren.


Anmerkungen
1 Atonale Musik: Musik, deren Harmonik und Melodik nicht auf einen Grundton
   fixiert ist – im Gegensatz zur Dur-Moll-Tonalität
2 Basso ostinato: In der Barockmusik diente die Bass-Stimme als Fundament,  
   auf dem die Oberstimmen aufbauten.


Beate Hill schreibt, malt und musiziert gerne. Sie lebt in Südafrika.